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Wo einst Schüsse fielen, blüht die Heide

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Wo einst Schüsse fielen, blüht die Heide

2007 fiel auf der Rifle-Ranch im Messeler Wald der letzte Schuss. Seit dem Abzug der Amerikaner erobert sich die Natur das rund 30 Hektar große Areal zurück. Der über viele Jahre stets kurz gemähte Schießplatz ist zur Heide geworden, ein Gelände, bei dem Naturschützer vernehmlich mit der Zunge schnalzen. Aber das Biotop ist in Gefahr.

Nachdem die US-Streitkräfte das Gelände samt seinen Aufbauten und Altlasten haben stehen und liegen lassen, ging es nach dem Nato-Truppenstatut an die Bundesvermögensverwaltung über. Inzwischen hat sich der Bundesforst, eine Sparte der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA), der Fläche angenommen.
Die Behörde hat sich offenbar entschieden, der Natur den Vorrang zu geben und sie nicht für andere Zwecke zu nutzen. Denn es gab durchaus Überlegungen, das Areal im Messeler Hügelland Vereinen als Schießstand für großkalibrige Waffen zu verpachten.
Auf 50 Bahnen schossen die Soldaten auf die 400 Meter entfernten Ziele. Ungezählte Projektile schlugen in den Fangsand, wo die pulverisierten Überreste der Munition noch heute liegen und den Sand kontaminieren. „Der Sand muss komplett entsorgt werden“, nennt Pollmeier einen der Hauptkostenfaktoren für die Renaturierung des Areals und stellt die Summe von 350.000 Euro in den Raum. Von insgesamt einer Million Euro ist die Rede, um den aufgelassenen Schießplatz zum Naturreservat zu machen.
Direktor Christoph Goebel vom Bundesforstbetrieb begeistert sich am Telefon für die „hochinteressanten Biotope“ und davon, dass alle Aufbauten abgerissen werden sollen. Auf den von den Amerikanern kurz gehaltenen Flächen habe sich eine Heide mit Orchideen und vielen Moosarten gebildet.
Mitten im Wald liegt verlassen der Schießplatz, der eine Heide ist.
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Mitten im Wald liegt verlassen der Schießplatz, der eine Heide ist.
„Diese wunderbare Pflanzenwelt droht zu verschwinden“, sagt Matthias Pollmeier beim Ortstermin mit dem ECHO. Pollmeier ist beim Bundesforst in Schwarzenborn für Naturschutz zuständig und Goebels Stellvertreter. „Die Streitkräfte haben regelmäßig gemäht“, weiß Pollmeiers Kollege Harald Fuhrländer vom Forstrevier Südhessen. Ohne die regelmäßige Mahd hole sich die Natur die Fläche zurück. „Sukzession“ nennen das die Fachleute. Birken, Kiefern, Lärchen sprießen aus dem von Flechten, Moosen, Gräsern und Erika bedeckten Boden, der von Wildschweinen durchpflügt wird. „Die Heide droht unterzugehen“, stellen die Förster fest. „Das müssen wir aufhalten“, sagt Pollmeier, der sich mit seiner Forderung mit dem Leiter der Naturschutzbehörde des Landkreises, Wolfgang Heimer, einig ist. Ein von der BImA in Auftrag gegebenes Gutachten bestätigt den Wert des Biotops, das Orchideenarten wie das breitblättrige Knabenkraut und die Zauneidechse beheimatet.
Einhellige Meinung: „Es müsste dringend gemäht, dabei aber auf Bodenbrüter Rücksicht genommen werden.“ Die Mäharbeit Schafen zu überlassen, schließen die Naturschützer aus. Sie fressen nicht die Gräser, die hier wachsen. Die würden bestenfalls jenen Przewalski-Pferde schmecken, wie sie auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Babenhausen ausgewildert werden sollen (wir haben berichtet). Doch dafür ist die Weidefläche offenbar nicht groß genug. Der Messeler Bürgermeister Andreas Larem ist mit vor Ort und sofort Feuer und Flamme für das Naturschutzprojekt. Er könne sich gut vorstellen, die anfallende Mahd in einer Biogasanlage in Messel zu Energie zu verarbeiten. Dann habe man zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Eine Biogasanlage auf Messeler Gemarkung habe er sich nämlich bisher in Verbindung mit riesigen Maisfeldern nicht vorstellen können, sagt der Bürgermeister und sieht das Naturschutzgebiet im Zusammenhang mit Ausgleichsflächen für ein neues Baugebiet mitten in einem Naturschutzgebiet in seiner Gemeinde.
Stichwort Ausgleichsmaßnahmen: „Wir wollen mit der Fläche keinen Gewinn machen, aber auch nicht draufzahlen“, erklärt Pollmeier. Für die ausschließlich der Natur gewidmete Fläche gebe es Öko-Punkte, die an Unternehmungen vermarktet werden, die Flächenverbrauch ausgleichen müssen. „Wenn wir nur schon einen hätten, der Bedarf hat“, fügt Fuhrländer an. Wer Öko-Punkte verkaufe, verpflichte sich damit, die Fläche 30 Jahre zu pflegen. Die BImA gehe davon aus, dass das Geschäft mit der Natur null auf null ausgehe, rechnet Pollmeier vor.

Text erschienen im Echo-online am 01.06.2011
Medienhaus Südhessen GmbH / Echo Online GmbH
Holzhofallee 25-31
64295 Darmstadt

 
 

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